Montag, 24. Juni 2013

Wer bin ich?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich persönlich kann diese Frage nicht eindeutig beantworten. Natürlich kann ich sagen wie ich heiße, wie groß ich bin, wo ich wohne... aber wer ich bin? Ich kann sagen, wer, bzw. wie, ich gerne wäre. Ich kann Adjektive aufzählen, die mich beschreiben. Aber sagt das etwas darüber aus, wer ich bin?

Und nachdem ich mich am Freitag mit diesem Post (eine Reaktion auf die Posts von Julia und twiggy) bei einigen von euch wahrscheinlich ein bisschen unbeliebt gemacht habe, schwirrte wieder diese Frage in meinem Kopf: Wer bin ich? Warum reagiere ich so, wie ich reagiere?

Und ich habe tatsächlich eine Antwort gefunden. Keine allgemeine, große, die all mein Verhalten erklärt. Und wissen, wer ich bin, tue ich jetzt auch noch nicht. Aber ich habe am Wochenende angefangen für meine Klausur in Sozialpsychologie zu lernen und bin auf Ansätze gestoßen, die mich einer Antwort näher bringen. (Wie war das nochmal mit: "Ein Psychologiestudium ist die günstige Alternative zu einer lebenslangen Therapie?" ^^ Gut, dass es nur mein Nebenfach ist...)

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr Nagellack tragt und der ist an einem Finger ein bisschen abgeplatzt und man denkt, dass das jetzt jeder sieht und einen insgeheim auslacht, weil man so schlampig ist? In Wirklichkeit sieht es aber niemand (und man weiß das auch, aber das Gefühl bleibt).
Um es in den Worten meiner Professorin zu sagen: "Personen überschätzen die Aufmerksamkeit, die andere ihnen schenken (spotlight effect)".
Wenn man dann noch hinzu nimmt, dass das Selbstinteresse einer Person ihre sozialen Urteile färbt und das die Sorge darüber, wie eine Person auf andere wirkt, ihr soziales Verhalten motiviert, hat man auch schon die Erklärung für meine Reaktion auf diese ganze "Real Beauty" und "Zieht an was euch gefällt"-Sache.

Ich bin ein Mensch, der sich sehr viele Gedanken darüber macht, wie er auf andere wirkt. Selbst wenn ich mir keine Gedanken dazu mache, und mein Verhalten nicht steuere analysiert ein kleiner Teil meines Kopfes unablässig mein Verhalten un erzählt mir, wie das gerade auf andere wirken muss.
Das klingt jetzt, als wäre ich den ganzen Tag nur mit mir beschäftigt. Ganz so ist es aber nicht. Das passiert zwar bewusst, aber auch gleichzeitig völlig unbewusst. Ich weiß es, und ich tue es, aber ich steuer es nicht. Ich kontrolliere es nicht. Ich kann es gar nicht kontrollieren. Auch verstelle ich mich nicht 24 Stunden am Tag. Ich verhalte und kleide mich schon so, wie es mir gefällt. Und ich sage auch, was ich denke und rede niemanden nach dem Mund. Aber ich bin mir halt immer der Aussenwirkung bewusst.
Deswegen kann ich zum Beispiel nicht in Jogginghose und altem T-Shirt den Müll runterbringen. Oder mit fettigen Haaren. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Mode-Püppchen. Ich schminke mich nicht mal besonders häufig. Aber egal was ich anziehe oder wie ich mich verhalte, ich weiß um den Eindruck, der bei anderen Menschen entsteht. Bzw. ich weiß um den Eindruck, der bei Menschen entsteht, die das gleiche Weltbild haben wie ich. Was sicherlich selten ist, aber von irgendwas muss man ja ausgehen.
Ob das anstrengend ist? Oh ja, und wie!
Ob ich versuche es zu ändern? Ständig! Nur leider ist das ein Teil meiner Persönlichkeit, der seit meiner Kindheit präsent ist.

Und aus diesem Grund verstehe ich Menschen nicht, die sich in der Öffentlichkeit gehen lassen. Und reagiere relativ heftig. Vielleicht ist ein Teil von mir neidisch, weil sie sich anscheinend keinerlei Gedanken um ihre Wirkung machen. Ich weiß es nicht. Es kann sein. Aber der größte Teil meines Körpers schreit dann nur: "Wie kannst du das anderen Menschen antun?"

Noch so ein Teil meiner Persönlichkeit, ich will es unbedingt allen recht machen. Ich reagiere sehr empfindlich auf Stress und Ärger. Auf Streit. Und dazu gehört halt auch, dass ich mich möglichst passend kleiden und verhalten will. Es ist eine Art Talent, nur leider aus den falschen Gründen, aber ich schaffe es in nahezu jede Situation zu passen. Ich falle weder im Schickimicki-Restaurant noch in einem kleinem Club bei einem Punkkonzert auf. Natürlich nicht in gleichem Outfit, aber wenn ich vorher weiß, was heute ansteht, passe ich.
Btw.: Meine "natürliche" Kleidung ist Jeans und KaPu, nur leider kann ich das immer seltener tragen. Und im Sommer geht das schonmal gar nicht. Aber wenigstens Abends geht dann gut Mini und KaPu ;) Ich habe also schon "meinen" Stil, nur habe ich kein Problem damit, ihn anzupassen, wenn es die Situation erfordert.

Und wenn mir jetzt eine Werbung erzählen will, dass diese retuschierten Frauen "natürliche Schönheiten" seien, oder ich in der Stadt einen Menschen sehe, der so nachlässig gekleidet ist, dass es an eklig grenzt, dann wird ein Teil von mir aggressiv.
Weil das nicht in das Bild passt, wie Menschen meiner Meinung nach sein müssten. Aufeinander ausgerichtet. Nicht jeder für sich, sondern sich immer seiner Umwelt bewusst. Versuchen, es den anderen leicht zu machen. Und sei es nur dadurch, dass man nicht im Sommer in Sandalen und einer dicken, ekligen Hornhautschicht an den Füßen an einem Cafe vorbeigeht wo Menschen ein Eis essen wollen.
Es ist doch nicht so schwer sich vorteilhaft zu kleiden und anderen Menschen dadurch einen angenehmen Anblick zu ermöglichen.

Kommentare:

  1. Vielleicht haben andere Menschen aber gar keine Lust, unbedingt immer zu passen?
    Vielleicht wollen andere es nicht allen Recht machen?
    Vielleicht ist es anderen schlicht egal, was ihre Umwelt von ihnen hält?
    Wäre doch möglich, oder?
    Mir persönlich ist es völlig schnurz, was andere von mir halten und wenn jemand so oberflächlich ist und mich nicht mag, weil er mich mal ungeduscht an der Mülltonne gesehen hat, dann passt derjenige eh nicht zu mir. Ich muss da unbedingt mal nen Blogpost zu schreiben, denn die Gedanken sind grad zu viele, um sie in einen Kommentar zu quetschen...ich geh mir jetzt Notizen machen, damit ich das nicht vergesse...

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  2. Es ist im Leben immer gut eine große Portion "Ist-mir-egal" zu haben. Da lebt man selbst ruhiger und lässt andere eher leben... was du hier beschreibst, hat extrem viel mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun.
    Ich könnte mir vorstellen, dass es daran liegt, dass du erwachsener, selbstbewusster und erfahrener werden musst. Vielleicht wirst du etwas gelassener mit dir und mit anderen umgehen.

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