Sonntag, 14. Juni 2015

höher, schneller, weiter, Sportsucht?

Nachdem mich letztes Mal das Thema Gefahr von Magersucht im Freundeskreis beschäftigt hat, mache ich mir seit ein paar Tagen Gedanken um Sportsucht.

Wikipedia sagt zu Sportsucht folgendes:
Bei exzessivem Sporttreiben (pathologisches Sporttreiben, umgangssprachlich auch Sportsucht oder Fitnesssucht) handelt es sich um eine zumeist nichtstoffliche Abhängigkeit, die unter den Oberbegriff Substanzungebundene Abhängigkeit fällt, aber nicht als eigenständige medizinische Diagnose gilt. Betroffene leiden unter dem inneren Zwang, sich sportlich zu betätigen, ohne jedoch Wettkampfambitionen zu haben. In den Vereinigten Staaten ist der Begriff seit Mitte der 1990er Jahre bekannt.
 Wie ich zu diesem Thema komme?
Eine andere Freundin, die gerne laufen geht, hat mich dazu überredet, bei unserem örtlichen "Freizeitevent", wo man vier Abende lang durch unsere Stadt marschiert bzw. spaziert, die lange Strecke zu joggen. Also 10 km.
Soweit, so gut!
Dann stehen wir im Ziel und sie scrollt in ihrem Handy.
ich: "Na, schaust du dir gerade unseren Lauf von eben an."
sie: "Nö, den Lauf von heute morgen."
ich: "und was haste da so gerissen?"
sie: "Nicht viel. Nur zehn Kilometer."
Wie bitte? Für mich sind 10 km das Non-plus-Ultra! Einmal 10 km und ich falle wie ein Stein ins Bett! Und das macht sie dann zwei Mal an einem Tag!
ich: "Und warum machst du das? Ich meine, du wusstest doch, dass wir heute Abend noch mal los gehen."
sie: "Ja, aber das heute Abend war ja echt langsam und außerdem war ich die letzten Tage nicht trainieren."
kleine Anmerkung: wir waren verdammt schnell. Das waren sogar die schnellsten 10 km, die ich jemals gelaufen bin.
ich: "Du hast mir doch erst vorgestern wegen deinem Lauftraining abgesagt! Also hast du doch die letzten Tage trainiert!"
Und dann bin ich ins Grübeln gekommen. Sie hat gerade erst ihre Bestzeiten auf 5 km und 10 km unterboten, hat mehrmals Training mit unterschiedlichen Trainern und unterschiedlichen Laufgruppen, sagt mir ständig ab, weil sie noch zum Laufen verabredet ist und von einem Tag ohne Sport habe ich sie lange nicht mehr reden gehört...

Und Sportsucht empfinde ich als sehr gefährlich, weil es  auf dem ersten Blick sehr gesund aussieht. Dass man sich jeden Tag zum Sport aufraffen kann, dafür bekommt man Respekt von so vielen, deren Schweinehund zu oft gewinnt. Auch, dass man es gar nicht einschätzen kann, ob das Sportpensum der Person schon gefährlich ist oder nicht. Und dann auch weil Sportsucht gar nicht so in aller Munde ist wie z.B. Magersucht.
Vielleicht auch, weil man es auf dem ersten Blick gar nicht sieht, dass die Person süchtig ist oder nicht. Bei Magersucht sieht man das gleich an der Figur bzw. im Gesicht, aber bei Sport? Wie will ich sehen, wenn jemand mehrmals am Tag einen Marathon läuft?

Und vor allem: wie gefährlich ist überhaupt die Sportsucht? Ist meine Freundin süchtig? Wie kann ich helfen?

Kommentare:

  1. sie macht halt alles richtig.. wenn sie bestzeiten laufen will dann muss sie ja ihre geringe freizeit fürs laufen opfern - es sei denn sie is vollprofi! leseratten werden es bei einem guten buch ähnlich sehn, und solang die ne ausgehn, doch wird man da do au ne von lesesucht sprechen, obwohl sie ja au das buch dem freundeskreis vorziehn wird...
    es gibt genügend ehrgeizige hobbysportler, da direkt immer mit der suchtpeitsche drüberzuschlagen, ich weiß ja ne, immerhin fördert der sport auch nicht zu rauchen und kein alkohol zu trinken, leute die lieber in gesellschaft sind und ein, zwei stille hefeschäumchen am abend ziehn, mit na halben schachtel fluppen, also ob das jezz gesünder is? beides kann tödlich sein, muss aber ne... bin voll bei ihr; lass sie machen!

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    1. Und ich schließ mich da mal voll und ganz an. Wenn man irgendwas gerne macht, was für andere als etwas empfunden wird, für das man sich aufraffen muss, wird das direkt als "nicht normal" empfunden. Es gibt halt Leute die haben Spaß an Sachen oder eben auch mehr Ehrgeiz als andere.

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    4. Sehe es ähnlich wie meine Vorredner. Jeder Mensch hat das Recht sich voll zu entfalten und wir können nicht von aussen sagen, ob etwas viel oder wenig, richtig oder falsch ist. Denn die Beurteilung ist immer subjektiv! Aus der Sicht eines Leistungssportlers, ist sie nicht im Übertraining, aus der Sicht eines Couch-Potatos, ist sie total crazy. Am Ende zählt doch nur, das jeder Mensch seinen Weg findet und glücklich ist. Schaut gerne mal auf meinem Abnehm-Blog vorbei.

      Lieben Gruß

      Michael

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  2. Ich muss meinem Vorredner da zustimmen.

    An dieser Stelle stellt sich auch noch die Frage: Wie definierst du "verdammt schnell"? Was für den einen "verdammt schnell" ist für den anderen "normales Trainingstempo" oder den anderen "Schneckentempo".

    Also ich (und ich bin wirklich nur Läuferinnen-Mittelmaß) hätte auch kein Problem damit, morgens meine 10 km Runde zu drehen, wenn ich weiß, dass ich Abends noch einmal gemütliche 10 km laufen soll/muss. Und wie ich das so gelesen habe scheint es ja für diene Freundin auch ein gemütlicher Lauf gewesen zu sein, oder nicht?

    Es ist halt gerade nun mal ihr größtes Hobby und sie investiert sehr viel Zeit in ihr Training. Lass sie laufen! :D

    Und ich kann mir wirklich auch schlimmere Suchterkrankungen vorstellen! ;)

    LG

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  3. Ich denke die Linie zur Sportsucht ist sehr schwammig, mein bester Freund war mal sportsüchtig und es war echt hart. er ist täglich bis zu 45km gelaufen. Jeden Tag.
    Er hat 4-5x am Tag Sport gemacht und es hat sich wirklich alles nur noch darum gedreht. Wenn wir mal was mit ihm gemacht haben und er deshalb 1x laufen absagen musste wurde er richtig nervös und auch aggressiv.
    Er musste deshalb auch in Behandlung.
    Inzwischen trainiere ich und mein Freund nur noch mit ihm und wir überprüfen ihn dabei immer wieder, gottseidank ist er uns deshalb nicht böse :)

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  4. Denkmal an Markus - bei dem ist langsam und gemütlich 4:30 pro Kilometer. Das kann ich vielleicht 10 Meter durchhalten ;)
    Wenn deine Freundin viel trainiert sind 10km bald mal nichts mehr und Schnelligkeit ist immer relativ ;)

    Und es wirklich als sei deine Freundin sehr wettkampforientiert und genau das ist ja bei einer Sportsucht unwichtig.

    Ich denke eine richtige Sportsucht, die schädlich wird erkennt man viel deutlicher - wie Padii über mir die beschreibt.

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  5. Also ich hab' auch kein Problem damit, zweimal am Tag laufen zu gehen...gerade 10 Kilometer sind für mich auch nicht viel.

    Es ist halt immer die Frage, was man mit seinem Training erreichen will: Wenn ich laufe,um besser zu werden, meine Zeiten zu unterbieten, hab' ich nichts davon, wenn ich einmal in der Woche ganz entspannt 5 Kilometer laufe.
    Wie vorher schon geschrieben wurde: Gerade Tempo ist sehr personenspezifisch. 8 Kilometer mit 'ner Freundin von mir bei einer 6er-Pace ist für sie mega anstrengend und für mich ein entspannter Regenerationslauf.

    Meiner Meinung nach ist deine Freundin von einer Sportsucht noch weit genug weg. Aber es ist so schön zu lesen, dass sich jemand wirklich Sorgen macht!

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  6. Die Grenze zwischen Sucht und Lust ist sehr gering. Aber in diesem Fall würde ich schon noch von der Lust am Sport sprechen. Es gibt genügende Personen die täglich sich bewegen müssen um einen Ausgleich zu haben. Dabei schließe ich mich nicht ganz aus ;)
    Aber süchtig? Nein. Nur unruhig wenn ich nicht darf. Dann schickt mich meine bessere Hälfte schon los :D

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